Schatz, ich bin mal eben weg….

IMG_6800Wie, oh, hab ich dir das nicht erzählt? Ja dann, ich schau mir einen Porsche an, ja, nein, nicht kaufen, anschauen!
Wo, öhm ja, in Italien! Was, nein ich bin nicht verrückt! Nein zum Narren halte ich dich nicht, ich buche gerade den Flug. Nein, so teuer ist es nicht, genau genommen kann ich für das Geld, was der Billigflieger kostet, nicht mal bis nach Frankfurt fahren. Nein, ich mache keinen Scherz, es ist mir wirklich ernst damit! Ja, kann schon sein, aber es bleibt mir keine andere Wahl, hier gibt es so was nicht mehr, nein wirklich nicht. Ja sicher pass ich auf, nein ich komme nicht mit einer Italienerin nach Hause, ich will nur nach einem Auto schauen….! Puh, das ist ja gerade noch mal gut gegangen!

 

Der größte Fluch für einen Sammler ist das Internet, nicht das ich dem nicht auch was positives abgewinnen könnte, aber dieser Dealer hält einen mit wohl dosierten kleinen Injektionen bei der Stange, man kommt nicht davon los, ein zwei Mausklick weiter und schon brennt die Lunte.

Ach war das früher entspannend, als man nicht wusste, dass ein Teil möglicher Begierde denn wohl bald weggeschmissen oder verschrottet werden würde. Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß! So surfe ich nun durch Italien, mit der Hintergrundinformation, dass die letzten gebauten Modelle Porsche 931, oder 924 Turbo, wie man diese auch bezeichnet, ausschließlich für den italienischen Markt waren, eine Hiobsbotschaft für einen Sammler.

Da wachsen Sensoren wo vorher keine waren, unbestimmte Ahnungen eröffnen Wege, die ernüchtert und mit Abstand betrachtet, schon irre Züge vermuten lassen können.

Porsche ItaliaNach ausführlicher Lektüre diverser Fachbücher war schon klar, ein wirklich seltener 931 konnte nur aus den wenigen der letzten Bauphase stammen. Nun folgte einer der größten Prüfungen, mit Geduld warten auf die richtige Gelegenheit, täglich quälte der Geist, „bald gibt es keine mehr!“ Die erste Gelegenheit wollte dann auch partout nichts werden, es fehlte einfach an allem, die Kommunikation von Italienisch in englisch, von englisch zurück in rheinisches Deutsch war nicht der alleinige Grund. Es fehlte auch an grundlegender Kenntnis, wie wickelt man ein Auslandsgeschäft ab, was ist mit Überführung, Einfuhr würde ja entfallen, innerhalb der EG, was für eine Errungenschaft, wie später anmelden, in Italien kenn man keinen deutschen Fahrzeugbrief. Also weiß auch niemand, ob die Gurke nicht vom zehnten Treiber kommt und völlig fertig ist. Mit jeder Frage formulierten sich weitere. Nun, das Ultimatum war verstrichen, es hatte nicht sein sollen, der Anbieter des angeblich so tollen silberfarbenen Autos hatte wohl offensichtlich die benannte Auswanderung nach Amerika angetreten, jedenfalls hörte ich von dem schönen Auto nie mehr, wer weiß wofür es gut war? Heute bei genauerer Betrachtung eröffnen sich schon noch einige viele Ungereimtheiten der Objektbeschreibung.

Gelernt habe ich inzwischen, warum der Verkäufer auf keinen Fall einen Kaufvertrag machen wollte, unbeirrt auf den sehr kostspieligen Vertrag vor einem italienischen Notar bestand. Der letzte amtliche Halter haftet für alles, auch für eine Bergung mit Taucher und großem Gerät aus dem See, oder andere unangenehme Ereignisse, welche alle sicher mehr als ein Urlaubsbudget verschlingen.

BP Reiseführer Nun war ein neues Spiel, die Karten neu gemischt und die Situation sah nicht so gänzlich unklar aus. Nicht kaufen, sondern schauen war das Motto. Klar hatte ich mir vorsorglich schon mal eine rote Nummer ausgeliehen, gegen einen kleinen Obolus, der nicht wirklich klein war, aber etwas Vorsorge musste ja nun schon sein. Der Gedanke, mit einem mir unbekannten, sehr wahrscheinlich an die zwanzig Jahre alten Auto auf eine 1000 km Rückreise zu gehen, ließ schon deutliches Unbehagen aufkommen. Also hatte ich nicht vorsätzlich gelogen, wenn ich behauptete, dass ich mir das alles nur erst mal ansehen wollte! Die Distanz zu der gewagten Rückfahrt wuchs schon mit jedem Gedanken daran. Ich hatte also Hinflug und Rückflug gebucht, aber da der Rückflug im Gegenwert zweier guter Flaschen Rotwein lag, wie die das wohl machen, könnte man ja den auch…., ach lassen wir das lieber.

Heute musste ich früh aufstehen, schon um vier ins Bad, dann losfahren, denn der Flughafen des Billigflieger lag abgelegen und doppelt so weit weg, wie die drei benachbarten Flughäfen der Linienmaschinen. Dafür gab es Parkplätze in Hülle und Fülle, fußläufig von der Abfertigungshalle entfernt, es erschien mir alles sehr unwirklich, aber dort prange das Logo der Gesellschaft und der Tresen darunter musste der Anmelde- und Gepäckaufgabeschalter sein. Ich drehte mich um, konnte durch die Fensteranlage in der Ferne mein Auto parken sehen, sehr ungewöhnlich. Wenig später stieg ich in Italien wieder aus. Details, das ein Flugzeug startet, fliegt und landet halten sie hoffentlich auch für verzichtbar und das Wetter war das gleiche, genau so schön wie Zuhause.

Preganziol 3Der Aufbruch in den Morgen, Götterdämmerung, Spielfilmwetter, berauschte schon. Angerufen beim ersten Händler, holte dieser mich am Flughafen ab, das ging schnell, die sind fix die Burschen, mit allem, fahren sehr schnell und eben auch sonst. Das Auto war da, die Kluft zwischen Fotos, verbalem Beschrieb und sonnenbeschienenem Anblick tendierte gegen unendlich. Starten war möglich, blaue Wolken, der Bock war so fertig, nicht nur die üblichen Risse im Armaturenbrett, in Kurzform würde es Sinn machen, die noch heilen oder gerade noch brauchbaren Dinge zu notieren, der Preis eine Frechheit. Unter diesen Bedingungen endete Gespräch und Service abrupt, Bella Italia. Ich steuerte zu fuß die nächste Bushaltestelle an, mit diesem in die Stadt und zum Bahnhof.

Ernüchtert vom ersten Date, Sonne, italienische Leichtigkeit und diese wirklich hübschen Italienerinnen, ach das hat schon was. Glücklicherweise ist Zugfahren in Italien preiswert, das nächste Ziel angesteuert, wurde die Reise etwas länger als geplant, die Lock wurde unterwegs ausgetauscht. In Bergamo holte mich erneut ein freundlicher Autohändler ab, diesmal nicht in Nadelstreifen, dafür mit einem Hof voller „bella macchina“ Flitzer und hinten im Eck ein teutonisches Auto in grün.

Auto vorne rechts Dieses war wirklich schön, ein Baujahr 1983’er, der Händler wies darauf hin, „dass er im rechten Fußraum nass sei“, also nicht wie heute morgen, „alles schön“, das kann ja heiter werden, wie sage ich das meiner Frau? Bei dem Aquarium blieb es jedoch nicht, jetzt wo ich entschlossen war, den will ich haben, unabsehbare Risiken fühlend, da ist es nicht wie bei uns, alles topfeben, wo man auch mal rollen lassen kann, von hier aus gab es einige Hügel Namens Alpen, Rhön und Hunsrück, oh je.

Wie jetzt, der kann nicht fahren, so stand das aber nicht in der Offerte. Dann mache ich hier ein paar Tage frei, bis sie den fahrfertig haben, wie in ihrer Anzeige. Wie kriege ich das nun hin?

Klar war, das ist eines der Autos von den 250 Stück, die in 1983 Porsche ausschließlich für den italienischen Markt baute, für den Rest der Welt war die Fertigung in 82 geendet.

Der Zustand schön, gebraucht aber unverfälscht und gut, fahren würde nicht gehen, wegen der Standschäden. Ein verstohlener Blick auf meine Armbanduhr, ich sollte nun den wirklich guten Kaffee austrinken, den letzten Zug quer durch Norditalien zum Flughafen nehmen, denn der Flieger würde morgen früh auch ohne mich starten, ich blieb sitzen.

Es hat noch mehr als drei Stunden gedauert, bis zum Handschlag, am Ende war gar auch mein italienischer Händler erleichtert, über den gefundenen Kompromiss. Die Details würden mehrere Seiten füllen, es gab nicht wenige Momente, wo nichts mehr ging, ich um meine nun versiebte Heimreise trauerte, so muss ich entgegen der morgendlichen Erfahrungen hier die italienische Fährnis loben. Der Wagen wurde verladen, in aller Herrgottsfrühe sind wir aufgebrochen, ach ja, das einzige Hotel im Ort war wegen einer Feier ausgebucht, ich hatte im Auto übernachtet, durch die Schweiz, was für Berge, waren wir am frühen Abend vor der heimischen Türe. Andrea, nochmals herzlichen Dank, meine Frau wie auch ich sichtlich erleichtert, vom glücklichen Ausgang eines wirren Gedanke, subito basta.

931 Service 83

 
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