Es parkt ein Goggo im Wohnzimmer

Von Hermann-Josef Lentzen. Fotos von Markus Bienwald

goggo1-bienwald.jpg*Aachen.* „13,6 PS“, antwortet Karl von Hoegen wie aus der Pistole geschossen auf die Frage nach der Leistung seines Oldtimers. Wobei die Betonung auf dem „Komma sechs“ liegt, verständlich bei der recht bescheidenen Gesamtleistung. Die aber Mitte der 50er Jahre im Nachkriegsdeutschland völlig ausreichte, als viele Roller- und Motorradfahrer froh waren, vom motorisierten Zweirad aufs Auto umsteigen zu können. Zumal ihnen beim Goggomobil der süddeutschen Glas GmbH auch der Preis von 3000 Mark entgegenkam. „Der Preis war nur über spartanische Ausstattung und einfache Konstruktion möglich“, weiß der 57-Jährige vom Glas- und Goggo-Stammtisch Aachen und nennt ein Beispiel: „Die Benzinpumpe konnte eingespart werden, weil ein Fallstromvergaser unter dem Tank im Heck eingesetzt wurde, wo auch das Herz, der Zweitaktmotor, schlug. “

Wer etwas Geld übrig hatte, erwarb vielleicht als Zubehör den „Bordsteinfühler“, eine Art Vorläufer der Parctronic. Die schräg nach unten weisenden Stäbe mahnten den Fahrer durch ein kratzendes metallenes Geräusch zum sofortigen Bremsen.

Während von Hoegen eine Limousine fährt, hat Klubkollege Karl-Heinz Mackenstein ein Coupé. Den grau lackierten Zweisitzer aus dem Baujahr 1967 hat der ehemalige Berufskraftfahrer bei einem Händler gekauft, mit nur 3500 Kilometern auf der Uhr und in einem exzellenten Zustand. Einige kleine Beulen und Kratzer fanden eine außergewöhnliche Erklärung. „Erstbesitzer war ein Rentner gewesen, der seinem guten Stück ein Ehrenplatz in seinem Wohnzimmer eingeräumt hatte. Nach dem Verkauf passte der Wagen nur seitlich gekippt mit Ach und Krach durch die Tür, die nach einem Umbau schmaler geworden war.“

Weil die Goggo-Reihe sehr erfolgreich war, wagte sich die Glas GmbH auch in höhere Klassen. Ein Cabrio der Reihe 04, wegen seiner kraftvollen Motoren auch „Porsche des kleinen Mannes“ genannt, kaufte 1965 Hans-A. Olschewski von seinem ersten selbst verdienten Geld an der Klinik. Das rund 7000 Mark teure Stück fuhr der Aachener sieben Jahre lang: „Dann hatte der Rost ganze Arbeit geleistet, zudem war das Cabrio für die inzwischen vierköpfige Familie zu klein.“ Doch wahre Liebe rostet nicht. So erstand er 2003 einen roten Glas 1300 GT, hinreißend gezeichnet vom italienischen Designer Pietro Frua. Tatkräftige Hilfe bei der Restaurierung leisteten dem 69-Jährigen die goggo2-bienwald.jpgStammtischbrüder. Darunter auch Jürgen Wendt aus Heinsberg-Karken, der sogar über Original-Spezialwerkzeuge verfügt.

*Der „Glaserati“*

* *Schon bevor er sein Radio- und Fernsehgeschäft seinem Sohn übergab, hat er in zwei Hallen Oldtimer gesammelt, mit denen er jetzt pro Jahr an die 10 000 Kilometer zurücklegt. Mal bei von ihm selbst organisierten Touren, zum Beispiel mit den Goggos nach Bergen op Zoom über insgesamt 600 Kilometer oder bei Langstreckenfahrten im In- und Ausland. Dazwischen hat der 63-jährige aber genug zu tun, denn er will für die Saisoneröffnung 2010, dem so genannten Angläsern, beim Stammtisch Berlin ein ganz besonderes Modell fitmachen: das große Coupé mit V 8-Motor, das 1966/67 nur in einer Kleinserie gebaut wurde und durchaus mit einem Maserati verwechselt werden kann. Der deshalb auch „Glaserati“ genannte Sportwagen hat 140 PS. Vor dem Komma.

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